Die Folgen der Digitalisierung – Fluch oder Segen?

 

Wenn über Maßnahmen zur Digitalisierung diskutiert wird, beginnt diese Diskussion bereits mit einem Missverständnis - die Digitalisierung an sich ist praktisch schon abgeschlossen: Es wird geschätzt, dass 1993 nur ca. 3% der weltweit verfügbaren Informationen digital und 2002 zum ersten Mal mehr Information digital als anlog vorlagen. 2007 waren geschätzte 94% aller Informationen bereits digitalisiert. [1]

Das bedeutet, dass wir uns jetzt bereits mehr mit den Folgen als der eigentlichen Digitalisierung beschäftigen. Diese sind vielschichtig, die Internet Anbindung von Haushalten mit ausreichender Geschwindigkeit (Breitbandanschluss), ist dabei nur ein Aspekt von vielen.

Ein ausreichend dimensionierter Anschluss an das Internet ist heute so wichtig wie früher ein analoger Telefon-Anschluss. Viele Information aber auch Dienstleistungen lassen sich (nur noch) über das Internet buchen, Internet-Seiten werden dabei technisch für einen durchschnittlichen Anschluss konzipiert, das bedeutet für schlecht versorgte Gebiete, dass es immer mühsamer wird, die Ladezeiten werden länger. Nicht nur die absolute Anbindungsgeschwindkeit (z.B. 25Mbit Download und 1Mbit Upload), sondern die Unterschiede zwischen den verfügbaren Anschlussqualitäten entscheidet, in Städten sind heute Geschwindigkeiten bis zu 200Mbit im Download möglich, auf dem Lande sind Anschlüsse von weniger als 2Mbit keine Seltenheit, Faktor 100 Unterschied! Für die Politik muss damit das Ziel sein die möglichst flächendeckende qualitativ vergleichbare Versorgung sicherzustellen, und bereits jetzt nicht nur an den Bedarf von heute, sondern den in 5-10 Jahren zu denken. Die Grünen setzen sich dafür ein, dass bis 2021 75% aller Haushalte mit der zukunftsweisenden Glasfasertechnik versorgt sind und die restlichen 25% mindestens 50Mbit/s zur Verfügung haben. [2]

Für die Arbeitswelt sind die Folgen der Digitalisierung schon heute unübersehbar. Geschäftsprozesse verarbeiten Daten und werden optimiert. Ob und wieweit es „künstliche Intelligenz“ überhaupt gibt, darüber kann man streiten. Unbestreitbar aber werden Computersystem immer schneller und komplexer und können heute Aufgaben übernehmen, die vor wenigen Jahren noch Science Fiction waren. Im Zusammenspiel mit der Robotik sind bereits und werden zunehmend Aufgaben von technischen Systemen an Stelle von Menschen übernommen. Dies kann positiv sein, ökologisch und nachhaltige Prozesse unterstützen und neue Berufsfelder erschließen, bedeutet aber oft auch den Verlust von Arbeitsplätzen. Die Folgen für die Arbeitswelt und Gesellschaft müssen daher von der Politik diskutiert werden, Standpunkt der Grünen ist: Digitalisierung passiert nicht einfach, wir können und müssen sie politisch und gesellschaftlich gestalten - und zwar jetzt. [2] [3] [5]

Durch die schnelle Datenverarbeitung gibt es zunehmend Herausforderungen beim Datenschutz. Große Datenmengen haben Chancen und zugleich Risiken. Beispiel Gesundheit: Über die Analyse von großen Datenmengen aus Studien und elektronischen Krankenakten bekommen Ärzte potentiell neue Einblicke in statistische Häufigkeiten, die kreative Ansätze bei Therapien ermöglichen. Allerdings sind Gesundheitsdaten hochsensibel, in den falschen Händen ist Missbrauch in bisher noch ungeahnten Ausmaß möglich. Dazu kommt noch eine weitere Folge der Digitalisierung von Informationen: Digitale Daten können beliebig kopiert, ausgetauscht und gespeichert werden. D.h. kommen digitale Informationen einmal in falsche Kanäle, werden diese nicht mehr vergessen mit kaum mehr gut zu machenden Folgen. Die Grünen setzen sich daher für gleiche rechtliche Vorgaben bei analogen und digitalen Informationen ein [2]. Höchste Sicherheitsstandards müssen bei der Verarbeitung von digitalen Daten selbstverständlich sein. Die entsprechenden Rahmenbedingungen müssen für Anbieter verlässlich und langfristig planbar sein. Monopolartige Strukturen sollten auch in der IT-Welt sorgfältig kontrolliert und ggf. reguliert werden.

Auf die Frage „ist die Digitalisierung gut oder schlecht für den Planeten?“ antwortete Dieter Janecek von den Grünen im Bundestag: „Meine These lautet: Es kommt darauf an, was wir daraus machen [...] Digitalisierung ist Gestaltungsaufgabe, auch ökologisch gesehen. Und ohne die richtigen Rahmenbedingungen droht das ökologische Potential der Digitalisierung verloren zu gehen.“ [4]

Um all den Aspekten gerecht zu werden erfordert das Thema Digitalisierung neues Bewusstsein. Die Spitzenkandidaten der Grünen für die Wahl in Bayern Katharina Schulze und Ludwig Hartmann machen sich für ein Unterrichtsfach Digitalkunde stark - mit Grundlagen zur Informatik, künstlichen Intelligenz, maschinellem Lernen und Medienkompetenz. Die Schlagzeilen von heute und den letzten Jahren über „Fake News“, Datenmissbrauch in sozialen Medien und dem Einfluss auf Wahlen zeigen uns wie wichtig die Themen zur Folge der Digitalisierung sind.

Martin Adler - selbstständiger Informatiker Wielenbach


 

Quellen:

[1] de.wikipedia.org/wiki/Digitalisierung, bzw. www.ris.org/uploadi/editor/13049382751297697294Science-2011-Hilbert-science.1200970.pdf

[2] www.gruene.de/programm-2017/a-bis-z/wir-gestalten-die-digitalisierung.html

[3] Magazin der bayerischen Grünen März 2018 (

https://gruene-bayern.de/wp-content/uploads/2018/03/dmdbg1801_WEB.pdf) „Arbeitswelt im digitalen Wandel“, Prof. Kerstin Jürgens

[4] Magazin der bayerischen Grünen März 2018 2018 (https://gruene-bayern.de/wp-content/uploads/2018/03/dmdbg1801_WEB.pdf

) „Digitalisierung und Ökologie: Eine Frage der Gestaltung, Dieter Janecek

[5] Zukunft der Arbeit - Die Revolution hat längst begonnen, Süddeutsche Zeitung sz.de/1.4034798

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